Zwischen Schutz, Hoffnung und neuen Chancen
ASB betreut Geflüchtete im Ukraine-Ankunftszentrum Tegel
Mataz Alaetta (31) sitzt am Empfangstisch des Pflegebereichs im Ankunftszentrum Tegel. Er wirft einen Blick auf seinen Schichtplan, das Telefon klingelt, er greift zum Hörer. Alaetta ist Pflegehelfer und frisch gebackener Schichtleiter im Haus. „Alles tägliche Routineaufgaben“, er lächelt und meint die Anrufe, das Einteilen der Schichten, das Funktionieren der Organisation. Doch zu seiner Routine gehören auch der Umgang mit und die Verantwortung für Menschen, die viel Schlimmes erlebt haben.
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- Ankunftszentrum Tegel
Ein Ort der Fürsorge und Struktur
Seit März 2022 ist das ehemalige Flughafengelände Berlin-Tegel Zuflucht für Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind. Aktuell leben hier rund 3.200 Geflüchtete, darunter etwa 2.500 aus der Ukraine. Neben der Logistik ist die ASB-Nothilfe Berlin gGmbH seit 2024 auch für große Teile der Betreuung verantwortlich.
Die Unterkünfte sind in Blöcken aus je vier Hallen organisiert: eine Aufenthaltshalle, zwei Schlaf- und Ruhehallen mit jeweils 380 Schlafplätzen und ein Sanitärbereich für bis zu 760 Menschen. Besonders Schutzbedürftige finden in einer separaten Halle Platz.
Seit einem Jahr hat der ASB den Pflegebereich übernommen. Im Zentrum dieses Bereichs steht die 56-jährige Gabi Schiele, seit über 30 Jahren Krankenschwester. „Ich hatte sofort das Gefühl, hier ist Hilfe nötig“, erinnert sie sich. Sie übernahm die Leitung, stellte Ordnung und Hygiene her und baute mit ihrem Team eine würdevolle Versorgung auf. Hier werden rund 40 Menschen mit Demenz, psychischen Erkrankungen oder körperlichen Einschränkungen betreut. Eine Besonderheit an diesem Ort: Der ASB bildet inzwischen eigene Pflegehelfer:innen aus. Sieben Menschen unterschiedlicher Herkunft haben bereits ihre Qualifikation erworben.
Die Pflegekräfte und übrigen Mitarbeitenden der ASB-Nothilfe begleiten Bewohner:innen zu internen Arztterminen und medizinischen Untersuchungen, stimmen sich mit der Pflegekoordination über besondere Fälle ab und achten darauf, dass Medikationspläne eingehalten werden. Auch bei der Essensausgabe unterstützen
sie und leisten kleine individuelle Hilfen im Alltag. In den Schlafhallen kontrollieren die Mitarbeitenden regelmäßig Brand- und Hygieneschutz, prüfen Betten, Decken und persönliche Gegenstände und führen dabei einfühlsame Gespräche mit den Menschen. Andreas Vitt, stellvertretender Leiter der ASB-Nothilfe, ist stolz auf sein Team: „Die meisten arbeiten hier aus Überzeugung.“
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Logistische Meisterleistung und kreative Angebote
Neben der Betreuung ist der ASB für die gesamte Logistik des Ankunftszentrums zuständig. Thilo Scheffler ist von Beginn an dabei und im operativen Betrieb dieses Bereichs tätig. Das Team von 280 Mitarbeitenden plant, beschafft und verteilt täglich alles, was gebraucht wird – von Betten über Kleidung bis zu Hygieneartikeln. Ein ehemaliger Flugzeughangar dient als zentrales Lager. Gut 21.000 Bestellungen wurden seither ausgeliefert.
Über die Grundversorgung hinaus setzt der ASB auf kreative und kulturelle Angebote, die Abwechslung und ein Stück Normalität schenken. In 14 thematisch eingerichteten Räumen finden täglich Kurse und Freizeitangebote statt: Yoga, Sprachcafé, Handarbeit, Frisierstudio, Bibliothek, Filme und wöchentliche Asylberatungen.
Ein Herzensprojekt ist die Musikschule im „Musikcontainer P.52“. Hier haben geflüchtete Kinder die Möglichkeit, Musik nicht nur zu hören, sondern zu spüren. „Wir haben das Glück, Laura als diplomierte Opernsängerin im Team zu haben“, erzählt Andreas Vitt. Mit großem Erfolg widmet sie sich den Kindern bis 14 Jahre. Täglich werden Lieder gelernt, kleine Konzerte vorbereitet und gemeinsam musiziert. Ein durchgängiges Konzept: ein Musikstück über längere Zeit entdecken und kreativ verarbeiten.
Der ASB zeigt in Tegel, dass Ankommen mehr bedeutet als ein Bett und eine Mahlzeit. Es ist das Angebot, Menschen mit Würde und Perspektive zu begegnen – und ihnen trotz aller Unsicherheit ein Stück Normalität und Hoffnung zu schenken.
Infokasten
Im Auftrag des Landes Berlin betreiben die Berliner Hilfsorganisationen, das sind der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser Hilfsdienst, seit März 2022 das „Projekt Ankunfts- und Notunterbringungseinrichtung Tegel (ANo-TXL)“ für Flüchtlinge aus der Ukraine auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel. Seit Dezember 2022 sind auch Asylsuchende aus anderen Herkunftsländern in Tegel untergebracht. |
Text: Nadine Koberstein