Lebensretter:innen im Wasser
Wie der ASB den Nachwuchs im Rettungsschwimmen ausbildet

Donnerstagabend, 19:00 Uhr in Kiel. Die Schwimmhalle ist warm, das Wasser glitzert im Licht, in jeder Bahn werden Wellen geschlagen. Auf zwei davon trainieren die Rettungsschwimmer:innen des ASB Kiel. Jugendliche und Erwachsene schwimmen gemeinsam durchs Becken, üben Schleppen, Tauchen, Befreiungsgriffe. Im Kieler Hörnbad wird die Technik trainiert, um im entscheidenden Moment Leben retten zu können.
„Gut gemacht, Stefan!“, ruft Julia Roos vom Beckenrand, als der junge Rettungsschwimmer mit dem geborgenen Gegenstand wieder auftaucht. „Ich bin seit 2008 beim ASB aktiv, seit 2012 Ausbilderin im Rettungsschwimmen (ASR) und leite seither die Rettungsschwimmgruppe im Regionalverband Kiel“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann Martin hat sie die ASR-Ausbildung gemacht – mit dem Ziel, die eigenen Leute in Kiel trainieren zu können, ohne auf andere Städte angewiesen zu sein. Daraus entstand eine engagierte Gemeinschaft, in der Rettungsschwimmen und Präventionsarbeit im Mittelpunkt stehen.
Prävention zwischen Förde und Ostsee
In Schleswig-Holstein, dem Land zwischen den Meeren, ist es nicht nur sinnvoll, sondern lebenswichtig, dass möglichst viele Menschen das Rettungsschwimmen beherrschen. Das Team des ASB Kiel unterstützt nicht nur die wasserseitige Absicherung von Großveranstaltungen wie der Kieler Woche, sondern organisiert auch Fortbildungen für den Sanitätsdienst und Trainings für die Arbeiter-Samariter-Jugend (ASJ). Vereine und Organisationen – von Tauchklubs bis Kitesurfing-Gruppen – lassen sich hier ausbilden, um die Region ein Stück sicherer zu machen.
„Wenn möglichst viele Ersthelfer:innen wissen, wie sie im Wasser helfen können, müssen unsere Taucher im Ernstfall vielleicht gar nicht erst ausrücken“, erklärt Julia Roos. Die seit 2002 bestehende Tauchergruppe des ASB Kiel ist ein wichtiger Bestandteil des Wasserrettungsdienstes – doch ihr Einsatz soll immer die letzte Option bleiben. „Wenn wir es schaffen, möglichst viele Menschen frühzeitig in Rettungstechniken zu schulen, können wir Unfälle verhindern oder schnell genug helfen, bevor es kritisch wird.“ Trotz Job und zwei kleinen Kindern bleibt ihr diese Aufgabe eine Herzenssache: „Es gibt kaum etwas Wertvolleres als das Wissen, im Notfall helfen zu können.“
Zwischen Beckenrand und Ernstfall
„Unsere angehenden Lebensretter sollen bestmöglich auf ihre Aufgabe vorbereitet sein“, betont auch Julia Roos' Mann Martin. Er demons-triert gerade zwei Rettungsschwimmerinnen, wie sie sich im Wasser aus einem Würgegriff befreien können. Die Ausbildung erfolgt nach bundesweit einheitlichen Prüfungsstandards – Schwimmen, Tauchen, Retten. Beim ASB aber liegt der Fokus auf praxisnaher Vermittlung. An diesem Abend steht eine besondere Übung auf dem Trainingsplan. Martin hat ein Rettungs-SUP mitgebracht. „Aus gegebenem Anlass“, wie Julia berichtet – im vergangenen Sommer versuchte eine junge Paddlerin vergeblich, einen Mann aus dem Wasser zu retten.
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Julia gibt eine kurze Einweisung am Beckenrand. Dann heißt es: SUP kippen, die zu rettende Person hinaufziehen, selbst mit an Bord kommen. Das Board stabilisieren, den Kipppunkt finden und die Person sicher zum Beckenrand bringen. „Habt Spaß – und zieht, zieht, zieht!“, ruft Martin. Es zeigt sich: Im ASB wird sehr viel Wert auf eine realitätsnahe Ausbildung gelegt. Jede:r Teilnehmer:in darf sich einmal ausprobieren. Nicht immer gelingt es auf Anhieb, die zu rettende Person sicher aufs Board zu ziehen. Doch die Stimmung bleibt gelöst, es wird gelacht und angefeuert — und trotzdem schwingt bei jeder Übung der Ernst der Situation mit.
Fehlende Wasserzeiten und der Mangel an motivierten Ausbilder:innen sind ein großes Hemmnis für das Vorhaben, eine hohe Dichte von Rettungsschwimmer:innen zu erreichen. In Kiel verzichtet man daher bewusst auf die klassische Anfängerschwimmausbildung – der Fokus liegt auf Rettung, in einer Stadt zwischen zwei Meeren, mit Förde, Nord-Ostsee-Kanal und zahlreichen Seen.
Junge Lebensretter:innen – starke Vorbilder
Die Teilnehmenden sind aus unterschiedlichen Gründen dabei. Christopher Dix (41) ist seit eineinhalb Jahren beim ASB und hat im vergangenen Jahr seinen Rettungsschwimmer aufgefrischt. Als Ehrenamtlicher betreut er Seepferdchen-Kurse für einen anderen Verein, meist sieben bis acht Kinder im Wasser – eine echte Herausforderung. Für ihn ist es wichtig, nicht nur im Einsatz, sondern auch im Alltag sichtbar zu sein: „Da ist jemand, der kann helfen.“
Ganz ähnlich sieht es Ayla Kesim (25). Sie ist ebenfalls seit eineinhalb Jahren dabei und hat im vergangenen Jahr ihre Rettungsschwimmer-Prüfung abgelegt. Für ihre Doktorarbeit zog sie nach Kiel – direkt ans Wasser. „Da war es nur logisch, mich auch hier mit dem Thema Wasserrettung auseinanderzusetzen“, erzählt sie.
Rettungsschwimmen gehört in die Schulen
Dass Wasserrettung nicht nur etwas für Freiwillige am Wochenende ist, zeigt das Beispiel des ASB Rhein-Erft/Düren. Dort kooperiert man mit Schulen und integriert die Ausbildung direkt in den Unterricht.
„An meiner Schule in Aachen bilde ich jedes Jahr die Schüler:innen der elften Klasse zu Rettungsschwimmerinnen aus“, erzählt Anja Kleiber vom ASB Rhein-Erft/Düren. Diejenigen, die es schaffen, ihr Abzeichen zu erwerben, dürfen dann an der Schule als Schwimmhelfer:in arbeiten. Das bedeutet, dass sie in ihren Freistunden die Sportlehrer:innen zum Schwimmunterricht der Klassen 5 und 6 begleiten, mit Aufsicht führen und vor allem die Nichtschwimmer:innen beim Schwimmenlernen unterstützen.
Auch in Euskirchen wird in einer Projektwoche ausgebildet, viele bleiben der Wasserrettung danach erhalten. „Ein Highlight ist das große Event für die Siebtklässler am Liblarer See“, erzählt Friederike Otto. Mit Rettungsboards und Wurfsäcken gibt’s spielerische Einblicke – und erste Verantwortung.
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- Baderegeln beachten
Von Baderegeln und Verantwortung
Neben dem Retten spielt auch Prävention eine entscheidende Rolle, damit Badeausflüge an Seen, Flüssen oder am Meer unbeschwert bleiben. Eine einfache, aber lebenswichtige Regel lautet: niemals in unbekannte Gewässer springen. Martin Roos hat schon oft erlebt, wie schnell eine leichte, vielleicht übermütige Stimmung kippen kann. Versteckte Steine, alter Metallschrott oder flache Stellen bleiben unter der Wasseroberfläche unsichtbar. Besonders bei Jugendlichen sind Mutproben von Brücken oder Klippen beliebt – Momente, in denen der Sprung zum Risiko wird. Die Folgen reichen von Platzwunden und Brüchen bis zu schweren Wirbelsäulenverletzungen. „Viele unterschätzen, wie schnell so ein Sprung ihr Leben verändern kann“, sagt Martin Roos.
Nachwuchs gewinnen – für heute und morgen
Die Sicherheit an deutschen Badestellen hängt zu einem sehr großen Teil an Ehrenamtlichen. Umso mehr liegt es in der Verantwortung der Hilfsorganisationen, mit einer didaktisch guten Ausbildung von Rettungsschwimmer:innen ihren Beitrag zu leisten. In Kiel können Kinder ab zehn Jahren bereits mit dem Juniorretter starten. Der ASB setzt dabei stark auf seine Jugendorganisation und auf Weiterempfehlung.
„Durch gute und motivierende Ausbilder:innen bekommt man gute und motivierte Teilnehmer:innen – das ist die beste Werbung“, hält Martin Roos fest.
Ehrenamt mit Herz und Verantwortung
Tatsache ist: Die meisten Rettungsschwimmer:innen sind ehrenamtlich im Einsatz – ob am Liblarer See, an der Kieler Förde oder an den unzähligen Badestellen dazwischen. Ihre Arbeit ist unverzichtbar für die Sicherheit an Stränden, Seen und Flussufern. Doch knappe Wasserzeiten, fehlende Ausbilder:innen und zu wenig politische Unterstützung machen es ihnen oft schwer. Genauso wichtig wie ihr Einsatz ist jedoch die Verantwortung jeder und jedes Einzelnen. Wer sich der Gefahren im und am Wasser bewusst ist, sich nicht überschätzt und unnötige Risiken meidet, trägt selbst dazu bei, den Tag am Wasser unbeschwert und ohne Zwischenfälle zu genießen. Prävention beginnt immer bei einem selbst – und kann im Ernstfall Leben retten.
Am Beckenrand endet das Training – aber nie der Einsatz
Im Hörnbad geht die Trainingseinheit zu Ende. Ein letzter Sprung. Ein letztes Schleppen. Die Teilnehmenden klettern aus dem Wasser, erschöpft – aber stolz. Rettungsschwimmen ist mehr als Sport. Es ist Gemeinschaft, Verantwortung, Engagement – und rettet Leben.
Text: Nadine Koberstein
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Voraussetzungen: Inhalte: Am Ende steht eine Prüfung – und das Wissen, |
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Zahlen, die aufrütteln: Jede Minute Aufmerksamkeit kann ein Leben retten. |