Neue Wege gegen die Einsamkeit im Alter
In den ASB-Seniorendörfern können Bewohner:innen nach eigenen Vorstellungen miteinander leben
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In Würde alt werden, das wünschen sich die meisten Seniorinnen und Senioren. Im Saarland ist das möglich: Das vom ASB betriebene Seniorendorf in Kirkel bietet eine attraktive Möglichkeit für altersgerechtes Wohnen in der Gemeinschaft. In der zentral gelegenen Wohnanlage leben die Menschen ganz nach ihren Vorstellungen und erhalten Hilfe, wenn es nötig oder gewünscht ist.
Kirkel, eine halbe Stunde von Saarbrücken entfernt, hat etwa 10.000 Einwohner:innen. Das ASB-Seniorendorf liegt mitten im Zentrum. Das weiß der 81-jährige Walter Schmidt* zu schätzen: „Besser geht es nicht. Ich hab’ um die Ecke den Markt, die Banken, alle Ärzte, die ich brauche, die Kirche ist in der Nähe und wir haben einen Bus direkt vor der Haustür. Freitags findet hier ein Markt statt.“
Diese Lage sei einer der Erfolgsfaktoren des Wohnkonzeptes, sagt Bernhard Roth, Geschäftsführer des ASB-Landesverbandes Saarland, der Bauherr der 2018 eröffneten Einrichtung ist: „Unser Seniorendorf ist kein Pflegeheim, kein Betreutes Wohnen – das ist hier Service-Wohnen.“ Die Einrichtung verfügt über 39 barrierefreie Mietwohnungen, die meisten mit zwei und mehr Zimmern. Im Haus ist sogar ein ambulanter Pflegedienst des ASB stationiert. „Aber eine Verpflichtung, diesen zu nutzen, besteht nicht“, erläutert Roth. Auch eine Tagespflege gibt es, zur Abwechslung und Entlastung pflegender Angehöriger.
Alle Bewohner:innen profitieren von der Gewissheit, dass ihnen jederzeit umgehend geholfen wird. Ein weiteres Plus: Für die Mietkosten müssen sie heute nicht tiefer in die Tasche greifen als vor sechs Jahren, denn die ökologische Bauweise mit eigener Stromversorgung über Solar- und Fotovoltaikanlagen spart Energiekosten und trägt zum Klimaschutz bei.
Komfortabel und selbstbestimmt
Zum Komfort gehören ein begrünter Innenhof, eine offene Bauweise mit Laubengängen, die zum Verweilen einladen, und ein großer Veranstaltungsraum. Auf Wunsch können der Hausnotruf und Essen auf Rädern dazugebucht werden. Bei den meisten ist jedoch selber kochen angesagt. Schließlich gibt es eine seniorengerechte Küche und frisch einkaufen kann man gleich nebenan.
Das Angebot des Seniorendorfs ist modular aufgebaut, ganz nach dem Motto: auch im Alter so viel Selbstbestimmung wie möglich und so viel Hilfe wie nötig. Heinz Schuster* gefällt das: „Es ist ja von Vorteil, dass jeder hier noch selbstbestimmt wohnen kann. Wir können gemeinsam Kaffee trinken, wir müssen es aber nicht. Ich kann zum Doktor gehen oder zur Sparkasse, kann zum Einkaufen gehen, kann Fernsehen gucken oder auch nicht.“ Viele Bewohner:innen hatten früher eigene Häuser, hatten Platz – und sie hatten Verpflichtungen. Jetzt gibt es Entlastung durch mehr Service – also mehr Freiheiten. Darum packte das Ehepaar Michalski* auch gleich nach dem Einzug wieder seine Koffer und verreiste erst mal: „Wir waren seit zehn Jahren nicht im Urlaub – jetzt müssen wir uns endlich um nichts mehr kümmern!“
„Wir treffen uns am Memmers Eck“
Das Ganze habe den Charakter einer großzügigen Wohngemeinschaft, meinen die Bewohner:innen, die sich regelmäßig zum Plausch am beliebten „Memmers Eck“ treffen. „Wer Kontakt sucht, der findet ihn. Wer allein bleiben will, muss halt die Tür schließen“, sagt die 85-jährige Henriette Memmer, Mieterin einer Eckwohnung mit Blick auf die benachbarte Burg Kirkel. „Im Sommer hab’ ich zwei Stühle vor der Tür und einen kleinen Bistrotisch, und dann setze ich mich raus. Und es dauert keine fünf Minuten, dann bleibt jemand stehen. So habe ich an einem Nachmittag mehr Unterhaltung als in meiner früheren Wohnung die ganze Woche.“
Auf den im begrünten Innenhof umlaufenden Wegen in Rollstuhlbreite begegnen sich die Bewohner:innen und kommen ins Gespräch. Diese Bauweise wurde bewusst gewählt, um die Kommunikation zu fördern. Veranstaltungen wie Sommer- und Weihnachtsfeste fördern das Miteinander genauso wie die wöchentliche Turnstunde mit Eduard Krewer. Der fitte 83-Jährige war einer der ersten Bewohner im Seniorendorf und wünscht sich: „Ich möchte hier hundert Jahre alt werden.“

Service wird großgeschrieben
Die gute Seele des Seniorendorfs und Ansprechpartnerin Nummer eins ist Hausdame Silke Baldes. Sie hört zu, macht Termine, übernimmt Korrespondenzen mit Behörden, bucht Urlaubstickets und führt Wohnungsbesichtigungen durch. Hausmeister Daniel Jantschak steht bei Bedarf jedem Mieter und jeder Mieterin pro Monat eine Stunde exklusiv mit Rat und Tat zur Seite. Vom Auswechseln der Glühbirne über kleine Reparaturen im Haushalt bis zum Schlüsseldienst reicht sein Service.
„Seniorendörfer brauchen wir in jedem Ort“, sagt Bernhard Roth. „Die meisten Menschen fühlen sich wohl und sicher in der Gemeinschaft und ihrem vertrauten Quartier.“ Er ist überzeugt, dass dieses Konzept zukunftsweisend ist.
Die große Nachfrage gibt ihm recht – rund 100 Interessent:innen stehen aktuell auf der Warteliste – zum Glück sind die nächsten beiden Wohnprojekte des ASB Saarland bereits in den Startlöchern: „Nach jetzt sechs Jahren Seniorendorf Kirkel haben wir einiges dazugelernt“, erklärt Roth. „Das Konzept für das derzeit im Bau befindliche zweite Seniorendorf in St. Wendel sieht schon anders aus. Das dritte Projekt in Merchweiler, das von uns mit einem Konzept des nachhaltigen Bauens gestaltet wurde, befindet sich noch in der Planungsphase.“
Ausblick: Service-Wohnen im Alter ebnet neue Wege gegen die Einsamkeit und bietet Sicherheit im Pflegebedarfsfall. „Ambulante Versorgung können wir in diesem Rahmen auch zukünftig leisten, trotz des immer kleiner werdenden Pflegefachkraft-Marktes“, versichert Landesgeschäftsführer Bernhard Roth zuversichtlich.
Text: Alexandra Valentino
* Einige Namen von der Redaktion geändert.